ECHO
Echo bezeichnet hier keine Serie im äußeren Sinn, sondern eine innere Serialität des Bildes: eine zeitlich gestaffelte Abfolge von Zuständen, die im selben Träger aufeinander folgen und sich gegenseitig als Nachwirkung einschreiben. Das Bild fungiert als Resonanzkörper, in dem frühere Setzungen nicht verschwinden, sondern in die Tiefe verlagert werden: übermalt, verdeckt, dennoch wirksam. „Echo“ meint damit nicht Wiederholung des Gleichen, sondern die Persistenz von Spur unter veränderten Bedingungen — ein Rücklauf von Material- und Bedeutungsresten, die im nächsten Bildzustand als latente Struktur weiterarbeiten.
In dieser Logik wird Überarbeitung zur Methode der Retention. Schichten produzieren kein Update, sondern eine Verdichtung, in der das Vorherige als Restschrift fortbesteht: als Druck, als Abrieb, als Sediment, als Wasserlinie. Sichtbarkeit ist dabei nur eine Erscheinungsform; entscheidend ist die operative Präsenz des Übermalten. Das Echo liegt weniger im wiedererkennbaren Motiv als in der fortgesetzten Materialbewegung, in der sich Setzung und Löschung, Öffnung und Schließung, Stabilisierung und Drift verschränken.
Die datierte Bildzeit markiert diesen Prozess als lang andauernde Einschreibung: nicht Chronologie als Dokumentation, sondern Zeit als bildinternes Verfahren. Semantik bleibt in Bewegung; Formen wechseln ihren Status, Figuren kippen, Räume reorganisieren sich. Das Bild zeigt damit nicht „Entwicklung“ im Sinne einer linearen Verbesserung, sondern eine epistemische Situation: Bedeutung entsteht, verschiebt sich, wird suspendiert und kehrt als Nachhall zurück. Echo ist hier die Form, in der Erinnerung als Materialzustand operiert — nicht als Erzählung, sondern als strukturelle Nachwirkung im Bildkörper.
In der Schichtung wird das Nicht-Sichtbare zur aktiven Ebene des Bildes: als negative Evidenz, die Materialgeschichte und Bedeutungsdrift zusammenhält und das Prozesshafte der Malerei als Gedächtnisform artikuliert.
Acryl on Canvas , 160 x 120 cm