Malerei von Julia Tschaikner aus der Serie Fluid.

FLUID

In dieser Serie wird die Figur nicht als geschlossenes Gegenüber verstanden, sondern als Trägerin von Spuren. Körper, Gesten, Umrisse und malerische Fragmente erscheinen in wechselnden Maßstäben, als Wiederholung, Verschiebung oder Echo. Die Bilder entwickeln keinen eindeutigen Raum, sondern ein offenes Feld, in dem Malerei, Zeichnung, Fläche und Linie nebeneinander bestehen.

Die Figuren bleiben teilweise fragmentiert, überlagert oder entzogen. Gesichter, Körperteile und Haltungen treten hervor, verlieren aber zugleich ihre Eindeutigkeit. Dadurch entsteht eine Bildsprache, in der Erinnerung nicht erzählt, sondern materiell und kompositorisch organisiert wird. Das Motiv erscheint nicht als abgeschlossene Darstellung, sondern als etwas, das im Bild weiterarbeitet.

Die Serie verbindet malerische Verdichtung mit grafischen Setzungen. Lasierende Flächen, zeichnerische Konturen und farbige Bildräume erzeugen eine Spannung zwischen Präsenz und Auflösung. Frühere Bildzustände, mögliche Vorlagen oder erinnerte Körperbilder bleiben als visuelle Reste sichtbar und werden in neue Zusammenhänge überführt.

So wird das Bild zu einem Speicher seiner eigenen Entstehung: ein Ort, an dem Fragmente, Wiederholungen und Leerstellen unterschiedliche Zeitschichten bilden. Die Arbeit folgt damit einer Logik des Archivs, ohne dieses zu illustrieren. Archiv erscheint hier als künstlerisches Verfahren – als Prozess der Übertragung, Verschiebung und Transformation.

Werkserie seit 2002

Acryl on Canvas , 160 x 120 cm