Malerei im erweiterten Feld – expanded painting. Prozesshafte und serielle Verfahren: Überlagerung, Fragment, Archiv und Materialspur, Schichtung, Verfärbung, Wasserlinien als bildnerische Protokolle von Zeit, Erinnerung und Leerstelle .

Arbeitsperspektive

Im Zentrum meiner Arbeit steht das Archiv nicht als Institution, sondern als künstlerisches Verfahren. Mich interessiert, wie sich Zeit, Erinnerung und Nutzung in Materialien einschreiben – und wie Bilder zu Speichern ihrer eigenen Entstehung werden.

Diese Fragestellung verfolge ich in unterschiedlichen Werkgruppen. In den Buchdeckelarbeiten tragen gebrauchte Einbände materielle und kulturelle Spuren ihres Vorlebens. Echo untersucht das Bild als langfristigen Prozess: Über Jahre werden dieselben Malereien überarbeitet, sodass frühere Zustände nicht verschwinden, sondern als Sedimente erhalten bleiben. Afterimage überträgt diese Logik auf Glas und auf Sprache – Begriffe, die aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt werden, bleiben als Spur im Bild, während ihre Bedeutung entgleitet.

Ich möchte diese Ansätze unter dem Begriff eines „durchlässigen Archivs” zusammenführen und vertiefen. Archive interessieren mich nicht als statische Speicher, sondern als offene Systeme, in denen sich Bedeutungen fortlaufend verändern. Malerei wird darin zu einer Form der Konservierung und zugleich der Transformation: Jede neue Schicht bewahrt und verändert das Vorangegangene.

Ausgehend von eigenen Werkarchiven, historischen Buchobjekten, Sammlungen und Bibliotheken entsteht eine künstlerische Forschung zu Materialgedächtnis, Restschrift und Bildzeit. Die konzentrierte Arbeitsphase in Berlin bildet das Labor dieser Verschränkung, die in neue Werkserien und ortsbezogene Projekte überführt werden soll.