Online Einreichung:
ARBEITSTITEL
Sedimente – das durchlässige Archiv
AUSSAKRÄFTIGE STICHWÖRTER ZUR PROJEKTART
Sediment / Schichtung, Archiv als Praxis, Kulturerbe (materiell / immateriell)
VORLAUFZEIT
6 Monate
MÖGLICHER VERANSTALTUNGSZEITRAUM
Sept 2027
SPEZIELLER VERANSTALTUNGSRAUM BENÖTIGT
ja
WENN JA, WELCHE/R
noch ungeklärt
PROJEKTKATEGORIEN
Bildende Kunst
Kulturelle Infrastruktur
Ausstellung/Installation
Künstlerische Forschung
PROJEKTKURZBESCHREIBUNG
Das Projekt ist im UNESCO-Kontext des Donauraums in Linz verortet und versteht kulturelles Erbe als prozesshafte, materielle Struktur. Ausgehend von ausgesonderten Buchobjekten untersuche ich Konservierung als Zeitpraxis; Schichtung, Transformation und Leerstelle fungieren dabei als künstlerische Verfahren.
In Erweiterung dieses Ansatzes wird die Leihpraxis der Kunstsammlung als zeitgenössische Form kultureller Zirkulation mitgedacht. Der Wohnraum erscheint als situatives Archiv; aus der räumlichen Konstellation nach der Entleihung entstehen großformatige malerische Arbeiten. Nachbilder der Leerstelle im Raum. Eine mögliche Einbindung privater Räume wäre ausschließlich auf freiwilliger Basis und in vermittelnder Zusammenarbeit mit der Kunstsammlung vorgesehen.
BEZUG ZUM THEMA „UNESCO-WELTERBE UND IMMATERIELLES KULTURERBE IN OÖ“
Im UNESCO-Kontext des Donaulimes in Linz untersucht das Projekt kulturelles Erbe als materiellen und prozesshaften Zusammenhang. Der Donauraum erscheint dabei nicht als historische Kulisse, sondern als langfristiges kulturelles Sediment, in dem Bewahren, Nutzung und Transformation ineinandergreifen.
Die Arbeit verbindet materielle Träger (Buchobjekte, Papier, Sammlungsobjekte) mit immateriellen Praktiken des Bewahrens und Weitergebens. Insbesondere die Leihpraxis der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich wird als zeitgenössische Form kultureller Zirkulation verstanden – als soziale und räumliche Praxis von Archivierung außerhalb institutioneller Räume.
RELEVANZ, ORIGINALITÄT UND/ODER INNOVATIONSGEHALT DES PROJEKTS
„Sedimente“ verschiebt den Archivbegriff von einem statischen Speicher hin zu einem offenen, veränderlichen Gefüge. Das Projekt verbindet malerische Praxis mit materialbasierter Recherche und institutionellen Strukturen der Kunstsammlung (Leihpraxis, Sammlung, Nutzungskontexte). Die malerische Schichtung fungiert dabei nicht als restaurierende Wiederherstellung, sondern als zeitliche Fortschreibung. Erhalt wird nicht als Fixierung verstanden, sondern als Transformation.
Doppelte Transformation: Buchobjekte werden nicht nur als Bildträger genutzt, sondern materiell in einen neuen Aggregatzustand überführt. Gleichzeitig werden private Wohnräume, in denen Kunst temporär präsent war, als erweiterte Archive begriffen und in großformatige Malerei übersetzt.
Damit entsteht keine Illustration von Kulturerbe, sondern eine strukturelle Auseinandersetzung mit dessen Bedingungen, Zirkulation und räumlicher Verortung.
NACHHALTIGE ASPEKTE DES PROJEKTES
Das Projekt arbeitet ausschließlich mit legal zugänglichen, ausgesonderten Buchbeständen und vorhandenen Materialien. Es transformiert bestehende Träger anstatt neue Ressourcen zu verbrauchen.
Darüber hinaus thematisiert es die ökologische und materielle Vulnerabilität kultureller Speicher unter veränderten Umweltbedingungen. Nachhaltigkeit erscheint nicht nur als Produktionsprinzip, sondern als inhaltliche Fragestellung: Wie kann kulturelles Erbe unter sich wandelnden ökologischen Bedingungen weitergedacht werden?
GEPLANTE KOOPERATIONEN, PROJEKTPARTNER/PROJEKTPARTNERINNEN
Kunstsammlung des Landes Oberösterreich (Sammlungsbezug, Leihpraxis; Gespräche zur Kosten- und Umsetzungsplanung im Gange)
LENTOS Kunstmuseum Linz (Kontaktaufnahme für Recherche- und Kontextgespräche vorgesehen)
Weitere regionale Archive/Bibliotheken im Donauraum (Recherchephase)
Ausstellungspartner in Linz (wird bei positiver Förderentscheidung konkretisiert)
REGIONALITÄT
Der Donauraum ist nicht nur historischer Verkehrs- und Kulturraum, sondern auch ein ökologisch geprägtes Umfeld. Wasser, Feuchtigkeit und klimatische Schwankungen wirken konkret auf Archive, Depots und Papierbestände ein. Hochwasserereignisse im Donauraum verweisen dabei konkret auf konservatorische Entscheidungen und die Verletzlichkeit kultureller Speicher. Diese realen Materialbedingungen werden im Projekt nicht illustriert, sondern in malerische Prozesse von Schichtung, Anlösung und Verdichtung übersetzt.
INTERNATIONALITÄT
Der Donaulimes ist Teil eines transnationalen UNESCO-Welterbes, das mehrere europäische Länder verbindet. Das Projekt verortet den Linzer Donauraum innerhalb dieses überregionalen historischen Zusammenhangs und reflektiert kulturelles Erbe als grenzüberschreitende Infrastruktur von Zirkulation und Austausch.
Fragen nach Konservierung, Materialveränderung und ökologischer Belastbarkeit kultureller Speicher sind international relevant und betreffen Archive und Sammlungen weltweit.
WEITERE ANMERKUNGEN
Der Arbeitsaufenthalt in Schloss Weinberg (September 2026) dient schon als vorbereitende Kontaktaufnahme.
Eine ausführlichere Projektbeschreibung mit weiterführenden Abbildungen ist unter folgendem Link einsehbar:
OÖ KulturEXPO 2027
Die Seite wird bei Projektentwicklung aktualisiert.
Sedimente – Durchlässiges Archiv (Malerei / Buch / Papier / Donau)
Ort / Region
Linz (Donauraum, UNESCO-Welterbe Donaulimes)
Konzept
„Sedimente“ untersucht Konservierung als Zeitpraxis. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass kulturelles Erbe nicht statisch bewahrt werden kann, sondern sich in Schichten, Spuren und Zustandsveränderungen fortschreibt. Malerei fungiert dabei als Verfahren, das Zeit nicht abbildet, sondern organisiert: als Ablagerung, Öffnung, Überarbeitung und Wiederholung.
Im Kontext von Linz rückt die Donau als historischer, kultureller und infrastruktureller Raum in den Fokus. Der Fluss verbindet Landschaft, Handel und Geschichte, ist jedoch zugleich ein Risikoraum. Hochwasserereignisse und hochwassergefährdete Kulturinfrastrukturen verweisen auf die Verletzlichkeit materieller Speicher und machen Fragen nach Bewahren, Schutz und Weiterdenken kultureller Bestände aktuell.
Das Projekt arbeitet mit ausgesonderten Buchobjekten. Die Buchdeckel fungieren als Träger von Gebrauchsspuren, Prägungen, Verfärbungen und Verformungen. Durch die Entfernung des Buchblocks entsteht eine reale Leerstelle: Archiv wird als Hohlraum sichtbar. Diese Zustände werden malerisch weitergeführt – durch Schichtung, Anlösung, Verschiebung und erneute Öffnung der Oberfläche.
In einem zweiten Schritt wird der entfernte Buchkern nicht als Verlust verstanden, sondern als Übergangszustand. Durch Zerlegung, Pressung und Verdichtung wird das Papier in einen neuen Aggregatzustand überführt und als Bildträger weiterverwendet. Wissen wird dabei nicht konserviert, sondern umgeschrieben. Das Buch durchläuft eine materielle Zeitbewegung: vom Objekt über die Leerstelle hin zu Papier als offenem Träger.
Bezug zur OÖ KulturEXPO
Das Projekt ist im UNESCO-Kontext des Donaulimes verortet und verbindet materielles Kulturerbe (Bücher, Papier, Archive) mit immateriellen Praktiken des Bewahrens, Umgangs und Weitergebens von Wissen. Es reflektiert die Ambivalenz von Schutz und Veränderung und macht sichtbar, dass kulturelles Erbe immer auch ein Prozess ist.
Umsetzung
– Ortsbezogene Recherche im Linzer Donauraum
– Materialgewinnung aus legal zugänglichen, ausgesonderten Buchbeständen
– Produktion einer seriellen Werkgruppe auf Buchdeckeln
– Transformation des Buchkerns zu Papier und Entwicklung einer zweiten Werkserie auf dem neu hergestellten Bildträger
– Malerei auf großformatigen Leinwänden aus Wohnräumen der Leihpraxis: Nach der Rückgabe der entliehenen Werke entstehen Raum-Bilder, die die Stelle des abwesenden Bildes als Lehrstelle (Wandfläche, Licht, Maßstab) als Restschrift/Nachbild in autonome Bildräume übersetzen
Werkserie
– Erweiterung in den räumlichen Kontext der Leihpraxis der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich und Überführung ausgewählter Raumkonstellationen in großformatige malerische Arbeiten (Leerstelle/Restschrift)
– Präsentation als Ensemble mit zurückhaltender Prozessdokumentation
Gesellschaftliche Relevanz
„Sedimente“ thematisiert kulturelles Erbe als verletzliche, sich verändernde Ressource. Es eröffnet eine sinnlich-materielle Perspektive auf Zeit, Erinnerung und Verantwortung im Umgang mit kulturellen Speichern unter gegenwärtigen ökologischen Bedingungen. Archiv erscheint dabei nicht als abgeschlossener Ort der Sicherung, sondern als durchlässiges Gefüge, das sich in Nutzung, Zirkulation und Kontextverschiebung fortschreibt.
Diese Perspektive wird im Projekt über den institutionellen Rahmen hinaus erweitert. Werke der Künstlerin sind Teil der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich und befinden sich im Rahmen der Leihpraxis temporär in privaten Wohnräumen. Damit verschiebt sich das Archiv aus dem institutionellen Kontext in den Lebensraum. Kunst wird Teil alltäglicher Umgebung, eingebettet in individuelle Routinen, räumliche Strukturen und persönliche Wahrnehmung.
Das Projekt versteht diese Dokumentationen als Erweiterung des Archivbegriffs. Archiv wird hier nicht nur als Ort der Aufbewahrung, sondern als soziale und räumliche Praxis sichtbar. Die Leihpraxis der Kunstsammlung erscheint damit als immaterielle Form kultureller Weitergabe, in der sich Verantwortung, Nutzung und Erinnerung überlagern.
„Sedimente“ verbindet so materielle Archive (Bücher, Papier, Sammlungsobjekte) mit sozialen Archiven (Wohnräume, Leihpraxis, Alltag) und macht erfahrbar, dass kulturelles Erbe nicht allein im Bewahren besteht, sondern im fortgesetzten Wechselspiel von Präsenz, Abwesenheit und Bedeutungsverschiebung.
Rückführung Malerei
In dieser Perspektive wird der Begriff der Leerstelle über das Buchobjekt hinaus weitergedacht. Leerstelle bezeichnet im Projekt keinen Verlust, sondern einen produktiven Zustand: einen Ort, an dem Bedeutung nicht fixiert ist, sondern sich verschiebt und neu organisiert. Archiv erscheint dabei nicht als abgeschlossener Speicher, sondern als relationales Gefüge, das sich durch Nutzung, Zirkulation und Kontextveränderung fortschreibt.
Diese Denkfigur lässt sich auf Räume übertragen, in denen Kunst temporär präsent ist. Werke sind Teil der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich und befinden sich im Rahmen der Leihpraxis in privaten Wohnräumen. Der Wohnraum wird damit zu einem erweiterten Archiv: nicht institutionell, sondern situativ, geprägt von Alltag, Wahrnehmung und zeitlicher Begrenzung. Die theoretische Leerstelle, die im Buchobjekt materiell sichtbar wird, erscheint hier als räumliche und wahrnehmungsbezogene Konstellation.
Im Projekt werden ausgewählte Wohnräume aufgesucht, in denen Werke aus der Kunstsammlung im Rahmen der Leihpraxis temporär präsent waren. Ausgangspunkt ist die räumliche Konstellation nach der Rückgabe: die Stelle des Bildes bleibt als Wahrnehmungs- und Bedeutungsraum bestehen. Aus diesen Räumen entstehen großformatige malerische Arbeiten, die nicht dokumentieren, sondern die Leerstelle als Restschrift weiterführen – als Nachbild einer Spur, als Bildraum der Verschiebung, in dem Erinnerung, Maßstab, Licht und Raumordnung in Malerei übersetzt werden. Damit entsteht ein konkreter Output des Projekts: eine Serie großformatiger Leinwände, die im Ausstellungszusammenhang gezeigt werden kann.
Die malerische Arbeit setzt an diesen Übergängen an. Sie versteht Raum, Objekt und Material nicht als getrennte Kategorien, sondern als unterschiedliche Erscheinungsformen von Zeitlichkeit. Malerei fungiert dabei als Übersetzungsmedium: Sie transformiert räumliche Eindrücke, Verschiebungen und Verdichtungen in Bildräume. Leerstelle wird so nicht abgebildet, sondern als Denk- und Arbeitsprinzip fortgeführt.
Fazit – Konzeptionelle Verortung des Projekts:
Verortung im UNESCO-Kontext
Das Projekt ist im UNESCO-Welterbe-Kontext des Donauraums in Linz verortet und versteht diesen nicht als Kulisse, sondern als strukturellen Rahmen: als historisch gewachsenen Kultur- und Naturraum, in dem Fragen von Bewahrung, Nutzung und Verantwortung konkret verhandelt werden. Der Donaulimes erscheint dabei als langfristiges kulturelles Sediment, das sich bis in gegenwärtige Material- und Raumfragen fortschreibt.
Ökologische Dimension
Ökologische Aspekte sind dem Projekt nicht äußerlich, sondern eingeschrieben. Wasser, Feuchtigkeit und Materialveränderung wirken als reale Bedingungen auf Bücher, Papier und Archive ein und machen sichtbar, dass kulturelles Erbe unter veränderten Umweltbedingungen nicht statisch erhalten werden kann, sondern neu gelesen und weitergeführt werden muss.
Materielles und immaterielles Kulturerbe
Das Projekt verbindet materielle und immaterielle Aspekte kulturellen Erbes. Bücher, Papier und Sammlungsobjekte stehen in Beziehung zu Praktiken des Bewahrens, Weitergebens und Nutzens von Kunst. Die Leihpraxis der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich wird dabei als zeitgenössische Form kultureller Zirkulation verstanden, in der sich institutionelle und alltägliche Kontexte verschränken.
Gesellschaftliche Relevanz
Gesellschaftlich relevant ist das Projekt, weil es Archive nicht als abgeschlossene Orte, sondern als durchlässige Systeme begreift, die sich im Gebrauch, im Raum und in der Wahrnehmung verändern. Kunst erscheint nicht nur als Objekt, sondern als Erfahrungs- und Bedeutungsraum, der sich zwischen Institution und Lebenswelt bewegt.
Künstlerische Umsetzung
In seiner künstlerischen Umsetzung übersetzt das Projekt diese Fragestellungen konsequent in ein malerisches Verfahren. Schichtung, Öffnung, Transformation und Wiederaneignung fungieren als bildnerische Strategien, um Zeit, Material und Raum erfahrbar zu machen. Damit steht „Sedimente – Durchlässiges Archiv“ exemplarisch für eine zeitgenössische, forschende Auseinandersetzung mit kulturellem Erbe im Sinne der OÖ KulturEXPO 2027.
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